Aktuelles

Entwicklung der Beratungen
Der Sinti-Verein veranschaulicht mittels Diagrammen, wie die Zahl der Beratungen und der Kunden im Sinti-Vereins zugenommen hat und welcher zusätzlicher Ressourcen es bedarf, den erhöhten Anforderungen gerecht zu werden. Angesichts der kritischen Lage ist die Aufnahme zusätzlicher Berater entscheidend, um die stets steigende Nachfrage bewältigen und die Beratungsqualität halten zu können.
Austausch mit der SPD
Am 20.08.2026 fand ein Gespräch mit Kemir Čolić und Moritz Billenstein von der SPD statt. Für den Sinti-Verein nahmen der 1. Vorsitzende Christian Rosenberg und der 2. Vorsitzende Giovanni Weiß teil.
In einem offenen und angenehmen Austausch wurde unter anderem über den geplanten Staatsvertrag, die aktuelle Situation sowie den weiterhin bestehenden Antiziganismus gesprochen.
Der Sinti-Verein begrüßt den konstruktiven Austausch und den gemeinsamen Blick nach vorne. Gemeinsam mit den anderen Communities möchte der Verein daran mitwirken, dass die Ziele des Staatsvertrags auch tatsächlich umgesetzt werden.
Der Sinti-Verein ist zuversichtlich, dass es den Communities gemeinsam gelingt, den Staatsvertrag mit Leben zu füllen und wichtige Fortschritte für Sinti und Roma zu erreichen.
Würdigung zum 80. Geburtstag von Romani
Lieber Romani,
zu Deinem 80. Geburtstag möchte ich Dir von ganzem Herzen gratulieren und Dir zugleich etwas sagen, was sich eigentlich kaum in Worte fassen lässt: Danke. Danke für Dein Lebenswerk, für Deinen Mut, Deine Ausdauer und für alles, was Du für uns Sinti und Roma bewirkt hast.
Du bist ohne Zweifel einer der bedeutendsten Männer in der Bürgerrechtsarbeit der Sinti und Roma – in Deutschland, in Europa und weit darüber hinaus. Fast Dein ganzes Leben hast Du dieser Aufgabe gewidmet. Mit einer außergewöhnlichen Leidenschaft, mit enormem Fleiß und mit einer Hingabe, die tiefen Respekt verdient, hast Du dafür gekämpft, dass unsere Menschen gehört und gesehen werden, dass unsere Geschichte nicht vergessen wird und dass unsere Rechte und unsere Würde geachtet werden.
Wenn man heute zurückblickt und sieht, was Du über all die Jahrzehnte bewegt hast, kann man nur staunen. Du hast innerhalb unserer eigenen Community vieles verändert und Menschen ermutigt, selbstbewusst ihre Stimme zu erheben. Du hast die Gesellschaft zum Umdenken bewegt. Und Du hast in der Politik Türen geöffnet, die lange Zeit fest verschlossen schienen.
Du hast uns geholfen, eine Stimme zu haben.
Was heute selbstverständlich erscheinen mag, war es über viele Jahrzehnte nicht. Hinter vielem, was erreicht wurde, stehen Dein persönlicher Einsatz, Deine Beharrlichkeit und Dein unermüdlicher Wille, auch dann weiterzumachen, wenn Widerstände groß waren.
Auch wir persönlich haben Dir unendlich viel zu verdanken. Ohne Dich und Deine jahrzehntelange Bürgerrechtsarbeit hätte es unseren Sinti-Verein zur Förderung von Kindern und Jugendlichen e.V. in dieser Form niemals gegeben. Du hast Wege bereitet, auf denen andere weitergehen konnten. Du hast Menschen Mut gemacht, Verantwortung zu übernehmen und sich für die kommenden Generationen einzusetzen. Auch unsere Arbeit ist deshalb ein Stück weit mit Deinem Lebenswerk verbunden.
Dafür empfinde ich tiefe Dankbarkeit.
Es gibt nur wenige Menschen, von denen man sagen kann, dass sie das Leben und die Zukunft einer ganzen Gemeinschaft nachhaltig verändert haben. Du gehörst zu diesen Menschen. Dein Lebenswerk hat Spuren hinterlassen – in unserer Gemeinschaft, in unserer Gesellschaft, in der Erinnerungskultur und in der Politik. Vor allem aber hast Du vielen Sinti und Roma Würde, Selbstbewusstsein und eine hörbare Stimme gegeben.
Für all das gebührt Dir unser größter Respekt.
Lieber Romani, ich wünsche Dir zu Deinem 80. Geburtstag von Herzen vor allem Gesundheit und Kraft. Ich wünsche Dir, dass Du auf das, was Du geschaffen und erreicht hast, mit Freude und Dankbarkeit zurückblicken kannst. Und ich wünsche Dir auch weiterhin die Weisheit, die Du für Deine vielfältigen Aufgaben brauchst, Menschen, die Dich tragen und begleiten, und immer wieder Augenblicke, in denen Du spürst, wie wertvoll Dein jahrzehntelanger Einsatz gewesen ist.
Vor allem wünsche ich Dir Gottes reichen Segen für Deinen weiteren Lebensweg.
Danke für Deine große Leidenschaft. Danke für Deinen außergewöhnlichen Fleiß. Danke für Deine Hingabe. Danke für Deinen Mut und Deine Beharrlichkeit. Und danke für dieses große Lebenswerk, von dem wir und die Generationen nach uns noch lange profitieren werden.
Mit großer Dankbarkeit, tiefem Respekt und den herzlichsten Glückwünschen zu Deinem 80. Geburtstag.
Möge Gott Dir weiterhin zur Seite stehen.
Christian Rosenberg
Austausch mit der SAGA
Am 07.08.2026 durfte der Sinti-Verein zur Förderung von Kindern und Jugendlichen e.V. Herrn Hüttig, Leiter der SAGA-Geschäftsstelle Osdorf, sowie Herrn Riering, Leiter der Kundenbetreuung, im Verein begrüßen.
Für den Sinti-Verein nahmen der 1. Vorsitzende Christian Rosenberg und der 2. Vorsitzende Giovanni Weiß an dem Gespräch teil.
In einer offenen, respektvollen und konstruktiven Atmosphäre fand ein intensiver Austausch zu verschiedenen Themen statt. Der Sinti-Verein bedankt sich herzlich für das angenehme Gespräch und die Bereitschaft zum offenen Dialog.
Der Sinti-Verein legt großen Wert auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und möchte den regelmäßigen Austausch auch künftig fortführen. Ziel ist es, den guten Kontakt weiter zu pflegen, gemeinsam im Gespräch zu bleiben und das partnerschaftliche Verhältnis kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Persönliche Gedanken über Erinnerung und transgenerationales Trauma
Die letzten Tage versinke ich immer wieder in Gedanken. Ich frage mich: Wie wäre mein Leben wohl gewesen, wenn mein Ururgroßvater, meine Ururgroßmutter und so viele andere aus meiner Familie nicht in Auschwitz geblieben wären?
Ich weiß, viele von euch stellen sich diese Frage nicht. Für viele scheint die Zeit weit entfernt. Doch wissenschaftliche Studien zeigen, dass schwerste Traumata über Generationen weiterwirken können. Man nennt das transgenerationales Trauma. Es steckt also in meinem Fleisch.
Die Angst vor weißen Kitteln. Die Angst vor Behörden.. Dinge, die sich manchmal nicht erklären lassen und doch da sind.
Wie traumatisiert muss ein Mensch gewesen sein, der in einer Zeit lebte, in der sein Leben nichts wert war? Dem man die Familie nahm, die Kinder, die Alten, den Namen und die eigene Identität.
Gestern durfte ich an einer Führung des Verband deutscher Sinti und Roma Landesverband Hessen durch die Ausstellung „der Weg der Sinti und Roma“ im Justus Liebig Haus teilnehmen. Herr Strauss erzählte von einem Bild, auf dem eine Mutter ihr eigenes Baby so fest an sich drückt, bis es erstickt. Nicht aus Grausamkeit, sondern aus Liebe. Weil sie es lieber selbst gehen ließ, als es den Ärzten in Auschwitz zu überlassen.
In diesem Moment konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten.
Es waren nicht nur Tränen des Mitgefühls. Es waren Tränen der Erinnerung. Ich weine für die Menschen, die diese Todesmühlen durchleben mussten. Für meine Ururgroßeltern. Für meine Urgroßmutter, die nicht wusste, ob sie ihre Eltern jemals wiedersehen würde.
Und vielleicht weine ich auch für den Schmerz, der nie ausgesprochen wurde und trotzdem bis heute weiterlebt.
Er steckt in uns. Im Fleisch. In Erinnerungen, die wir nie selbst erlebt haben und die uns trotzdem berühren.
Ich öffne diese Büchse der Pandora nicht gern. Doch ich arbeite gerade an einer neuen Ausstellung und lasse genau diesen Schmerz in meine Kunst einfließen. Deshalb wollte ich diese Gedanken heute mit euch teilen.

